Abgrenzung zwischen Handwerk und Kunst
Keramik zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Handwerken – auch in Österreich. Der Beruf des Keramikers ist ein reglementiertes Gewerbe und setzt eine fundierte Ausbildung oder entsprechende Befähigung voraus. Lange Zeit gab es Unklarheiten darüber, welche gewerblichen Tätigkeiten dem Beruf des Keramikers zuzuordnen sind und welche dem Kunsthandwerk – insbesondere innerhalb der Berufsgruppen selbst. Um mehr Transparenz und Klarheit zu schaffen, wurde gemeinsam mit der Innung der Kunsthandwerker eine verbindliche Grundlage erarbeitet.
Als Präsident des Keramikverbandes ist es Christoph Angermayer ein großes Anliegen, die Qualität und Sicherheit im Handwerk zu gewährleisten und den Fortbestand des Berufes zu sichern.
BIM Andreas Höller setzt sich mit großem Engagement und viel Herzblut für die Berufsgruppe der Keramiker ein.
Christoph Angermayer, Präsident des Österreichischen Keramikverbandes, betont: „Es war für uns wichtig, dass wir gemeinsam mit den Kunsthandwerkern einen klaren Rahmen schaffen, der beiden Gewerben gerecht wird. Es ging darum, eine Struktur zu finden, die die unterschiedlichen Anforderungen und Tätigkeiten im Bereich der Keramik korrekt widerspiegelt.“
Fachwissen ist unerlässlich
Der Beruf des Keramikers ist ein reglementiertes Gewerbe – wie viele andere in Österreich auch. Das bedeutet, dass bei der Anmeldung des Gewerbes ein spezifischer Befähigungsnachweis erforderlich ist. „Es geht nicht nur um Talent und Leidenschaft, sondern um fundiertes Wissen, das notwendig ist, um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen zu gewährleisten“, erklärt Angermayer. „Keramik ist weit mehr als nur das Formen von Ton – es geht um physikalische und chemische Prozesse, die entscheidend für die Qualität und Unbedenklichkeit von keramischen Produkten sind.“ Die Befähigungsnachweise dienen in erster Linie dem Gesundheitsschutz – sowohl für die Gewerbetreibenden als auch für deren Mitarbeiter und Kunden.
Bei der Herstellung von Keramikerzeugnissen können gefährliche Stoffe wie Quarzstaub, Schwermetall-Sprühnebel oder giftige Substanzen in Glasuren freigesetzt werden. Eine unsachgemäße Handhabung dieser Materialien kann zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen. Besonders bei keramischen Gebrauchsgegenständen wie Geschirr oder Trinkgefäßen besteht ein Risiko: Werden diese unsachgemäß hergestellt, können schädliche Substanzen in Kontakt mit Lebensmitteln gelangen und so die Gesundheit gefährden.
Teilqualifikation für Zierkeramik
Seit 2023 gibt es eine Möglichkeit für alle, die sich ausschließlich mit Zierkeramik beschäftigen möchten. Christoph Angermayer erklärt: „Zusammen mit der Innung der Kunsthandwerker haben wir eine Teilqualifikation geschaffen, die es ermöglicht, das eingeschränkte Gewerbe der Keramik anzumelden. Dies betrifft das Formen, Glasieren und Brennen von Ziergegenständen.“ Der Kurs auf dem Ceramico Campus in Stoob endet mit einer schriftlichen Prüfung und vermittelt alle nötigen Kenntnisse, um sich im Bereich der Zierkeramik selbstständig zu machen.
Individuelle Befähigung
Für jene, die den Befähigungsnachweis nicht auf die übliche Weise erbringen können, besteht auch die Möglichkeit, eine individuelle Befähigung für einen bestimmten Teilbereich, wie Gebrauchskeramik, Baukeramik oder Industriekeramik, zu beantragen. Dazu müssen die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen durch andere, gleichwertige Nachweise belegt werden. Diese Flexibilität ermöglicht es Antragstellern, Fachkenntnisse nachzuweisen, auch wenn sie keine klassische Ausbildung abgeschlossen haben. Hierzu werden auch österreichweit gleichwertige Prüfungen auf dem Niveau der Meisterprüfung in den jeweiligen Landesinnungen angeboten, um die Kenntnisse und Fertigkeiten nachzuweisen und damit die Qualität der Keramikbetriebe zu sichern.
Gesetzliche Vorgaben für Gebrauchskeramik
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Angermayer anspricht, ist die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, insbesondere im Bereich der Gebrauchskeramik. „Für Produkte wie Speisegeschirr gelten EU-weit festgelegte Grenzwerte für Schwermetalle und andere potenziell schädliche Stoffe“, erklärt der Präsident des Keramikverbandes. „Es ist unerlässlich, dass keramische Betriebe sicherstellen, dass ihre Produkte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Hierzu müssen zum Beispiel Konformitätserklärungen vorgelegt werden, die bestätigen, dass die Produkte gesundheitlich unbedenklich sind.“ Informationen, wie man zu dieser Konformitätserklärung kommt, stellt der Keramikverband auf seiner Website zur Verfügung.
Weiterbildung und Vernetzung
Der Österreichische Keramikverband wurde im Jahr 2023 gegründet, um den Keramikbereich stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Christoph Angermayer hebt hervor, dass der Keramikverband nicht nur als Plattform für rechtliche und technische Unterstützung dient, sondern auch die Weiterbildung und Vernetzung der Mitglieder fördert: „20 Jahre lang wurden keine Meisterprüfungen mehr abgehalten. Wir haben einen Meistervorbereitungskurs ins Leben gerufen und organisieren nun bereits zum dritten Mal in Folge erfolgreich Meisterprüfungen, die regelmäßig ausgebucht sind. Wir wollen, dass das Handwerk der Keramiker weiterhin erfolgreich und zukunftsfähig bleibt.“ Zudem finden mittlerweile regelmäßig Keramiker Stammtische statt, bei denen sich Fachleute aus der Branche austauschen und vernetzen können.
Zukunft des Handwerks
„Durch die enge Zusammenarbeit verschiedenster Branchenvertreter, insbesondere auch mit der Innung der Kunsthandwerker, konnten wir eine klare und faire Regelung auf den Weg bringen.“, erklärt Angermayer abschließend. „Die Keramikbranche hat viel zu bieten – von traditionellem Handwerk bis hin zu innovativen Designansätzen. Es liegt nun an uns, dieses Potenzial zu nutzen und das Handwerk auch in Zukunft weiterzuentwickeln.“
„In den letzten Jahrzehnten wurde der Berufsgruppe der Keramiker leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt“, ergänzt BIM Andreas Höller. „Bei meiner Amtsübernahme als Bundesinnungsmeister hatte ich mir das Ziel gesetzt, hier endlich etwas zu bewegen und vieles aufzuarbeiten. Mit einem großartigen Team und in enger Zusammenarbeit mit Christoph Angermayer als Keramiksprecher Österreich, dem gesamten Verbandsbüro und dem Bundesinnungsbüro konnten wir bereits viele neue Zeichen setzen. Es war uns ein großes Anliegen, ein Merkblatt zu erstellen, das den Beruf des Keramikers und seine Abgrenzung zum Kunsthandwerk klar definiert. Zudem haben wir die Möglichkeit geschaffen, in Stoob auszubilden und Meisterprüfungen abzunehmen, was zuvor nur sehr schwer möglich war. Heute sind die Meisterkurse voll, was zeigt, dass unser Engagement in die richtige Richtung geht. Natürlich wissen wir, dass noch viel zu tun ist und einige Herausforderungen vor uns liegen. Aber in drei Jahren können wir nicht alles umsetzen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, den Keramikern mehr Möglichkeiten zu bieten, ihren Beruf richtig auszuüben und die Lehrlingszahlen zu steigern. Wir hoffen, dass auch Betriebe – selbst im Gewerbeverbund – motiviert werden, Lehrlinge im dualen Ausbildungssystem auszubilden.“
Die Aufgaben des Keramikverbandes
Der Österreichische Keramikverband versteht sich als ein starker Partner der Branche und als Brücke zwischen den verschiedenen Akteuren. Seine Arbeit ist von entscheidender Bedeutung, um die Qualität und Sicherheit im Handwerk zu gewährleisten und die Branche auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Der Verband setzt sich vor allem für eine Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Bedeutung der Ausbildung und für die Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung und Wertschätzung des gewerberechtlich reglementierten Handwerks der Keramikerinnen und Keramiker ein. Dies betrifft besonders die Bereiche der Baukeramik, Industriekeramik und Gebrauchskeramik. Ein weiteres Ziel des Verbandes ist es, den Beruf der Keramik zu modernisieren, Innovationen zu fördern und damit den langfristigen Fortbestand der Branche zu sichern. Hervorzuheben ist auch, dass alle Funktionäre des Verbandes ihre Tätigkeiten ehrenamtlich ausüben und dieser nicht gewinnorientiert arbeitet.
Der Großteil der von den Mitgliedern gezahlten Kammerumlage wird direkt in Maßnahmen zur Förderung und Weiterentwicklung des Handwerks investiert. Dadurch ist jede Keramikerin und jeder Keramiker, die bzw. der Mitglied einer Landesinnung ist, automatisch auch Teil des Verbandes. Durch sein aktives Engagement bietet der Verband seinen Mitgliedern spürbare Vorteile und zahlreiche Initiativen, von denen sie direkt profitieren.